DEEP DIVE
FAMILIENGESCHICHTE

Jakob Christian Adam wird am 7. August 1892 in Bonn als ältestes von 10 Kindern geboren, vier seiner jüngeren Geschwister sterben bereits als Säuglinge. Die Verhältnisse der Familie sind einfach, der Vater ist als Tagelöhner, später als Schachtmeister und Laternenwärter tätig. Später unterhält sein Vater eine Kohlen- und Flaschenhandlung in der Römerstraße.

Antoinette Adam, geb. Coens, dagegen wird in wohlhabende Verhältnisse geboren. Sie erblickt am 6. Mai 1897 im belgischen Surice das Licht der Welt. Ihr Vater betreibt eine Zigarrenfabrik nebst Laden in Gent, in dem diese verkauft wurden.

Zu sehen ist ein Porträt der vierköpfigen Familie von Jakob Christian Adam. Es handelt sich um ein Schwarz-Weiß-Bild aus der Vorkriegszeit.

Während des Ersten Weltkriegs, an dem Jakob Christian als Soldat teilnimmt, lernt er, vermutlich im Geschäft ihrer Eltern, Antoinette kennen. Eine Liebesgeschichte unter erschwerten Bedingungen. Gent bleibt zwar von größeren Kriegsschäden verschont, aber als Rastplatz der Wehrmacht des Deutschen Reiches leidet die Bevölkerung unter dem Abzug sämtlicher Lebensmittel für die deutsche Armee und die Verwaltung durch einen deutschen Generalgouverneur.

Sie können zwei Porträts sehen. Ein Porträt zeigt Jakob Christian Andam im mittleren Alter und das andere seine Frau Antoinette Adam, ebenfalls im mittleren Alter. Die beiden Porträts sind durch ein Einheitszeichen verbunden, weil die beiden Personen liiert waren.

Wie Familie Coens zu Deutschland stand und wie die Zigarrenfabrik die Kriegszeit überstand, ist nicht bekannt. Nach Kriegsende allerdings findet am 30. Oktober 1920 in Bonn die Hochzeit zwischen Jakob Christian und Antoinette statt. Begleitet von ihrer Mutter zieht Antoinette nun nach Bonn.

In Nachbarschaft zum Beethovenhaus

Jakob Christian Adam besitzt in der Bonngasse zwei Immobilien: unmittelbar neben dem Geburtshaus Ludwig van Beethovens in der Nummer 24-26 und schräg gegenüber Nummer 27-29.

Seit den 1920er Jahren hat er dort ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Kunden können in seinem Kaufhaus Textilien, Schuhe, aber auch Möbel kaufen und in Raten abbezahlen – ein modernes Geschäftsmodell, mit dem er viel Geld verdient und das es ihm ermöglicht, sein Geld darüber hinaus anzulegen und klug zu investieren. In dieser Zeit erwirbt er auch das Land auf dem Huppenberg in Wachtberg-Pech, wo er für seine Familie eine Villa bauen wird.

Nach dem Tod Jakob Christian Adams, Mitte der 1960er Jahren gibt es von Seiten der Bonner Stadtverwaltung Bestrebungen, die Straßen um das Beethovenhaus stärker kulturell zu prägen. Man möchte die Bonngasse zu einer Fußgängerzone umgestalten und die umgebenden Gebäude sollen ihrer Nutzung nach mehr dem Charakter des Beethovenhauses entsprechen, unter anderem soll ein Kammermusiksaal entstehen. Städtische Gemeinschaftseinrichtungen wie Büchereien oder Ausstellungsräume sollen angesiedelt werden, in jedem Fall soll die Stadt „grundstücksstark“ in der Bonngasse werden.

Bei den Beratungen zwischen Stadt und Beethoven-Verein wird deutlich, dass die Objekte im Besitz von Antoinette Adam eine Schlüsselstellung für die Umgestaltungspläne einnehmen.

Aufgrund steuerlicher Schwierigkeiten verlaufen die Verhandlungen aber nur langsam und erst nach dem Tod von Antoinette Adam werden durch ihre Testamentsvollstrecker in den 1980er Jahren die Immobilien veräußert. Auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhauses J.C. Adam steht heute der Kammermusiksaal des Beethoven-Vereins in unmittelbarer Nachbarschaft zum Geburtshaus des berühmten Bonner Komponisten.

Zu sehen ist ein Porträt von Antoinette Adam im Seniorenalter. Sie trägt eine Halskette mit einem Anhänger um den Hals und blickt zur linken Seite.
Die Villa am Huppenberg

1934 baut Jakob Christian Adam eine Villa mit Südausrichtung auf einen Teil der erworbenen Grundstücke auf dem Wachtberg. Dort wohnt er selbst mit seiner Frau und den zwei Töchtern. Die weiteren Grundstücke sind Weideland, sie werden erst 1981 eingefriedet und bilden später nach ihrem Verkauf die Grundlage des Stiftungskapitals der Jakob-Christian-Adam-Stiftung.

Die Villa wird im Laufe der Jahre von verschiedenen Mietern genutzt: In seiner Zeit als Oppositionsführer bewohnt Helmut Kohl die Villa am Huppenberg, ihm folgen der Botschafter von Panama sowie in den 1980er Jahren, in denen bereits die Stiftung als Vermieter auftritt, der US-Botschafter in der Bundesrepublik sowie der CIA-Chef John Berg. Verhandlungen über die Vermietung an die Botschaft von Bahrain scheitern nur daran, dass die Stiftung kein Schwimmbad einbauen will.

Das Gartenhaus, in dem Antoinette Adam noch lange wohnte, ist heute leider nicht mehr erhalten.

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